Das moderne Bullerbü

Es ist unverkennbar, dass Kirsten Boies Bücher  von Astrid Lindgrens Bullerbü inspiriert sind. Auch in dieser Reihe, dem Möwenweg, wird ein solcher Bezug wieder erkenntlich. 
Doch gelingt die Übertragung in die heutige Zeit?

Januar 2026

Von Hannah Sophie Schmitt

Wir Kinder aus dem Möwenweg (Möwenweg 1) 

Kirsten Boie

Oetinger 2000

Ab 8 Jahren

Auch in diesem Werk von Kirsten Boie – mittlerweile schon fast ein Klassiker – wird Kirsten Boies Rückbezug auf Lindgrens Bullerbü ersichtlich. Doch während Bullerbü in einer mittlerweile längst vergangenen Zeit spielt, holt Boie den Möwenweg in die 2000er Jahre. 

Die achtjährige Tara zieht mit ihrer Familie, zu der neben der Mutter und dem Vater auch ihre Brüder Petja und Maus. 
Sie ziehen in eines der Reihenhäuser am Möwenweg, welcher der Reihe den Namen verleiht. In diesem Reihenhaus wird es zunehmend lustiger – Tara lernt die Nachbarsmädchen Tienecke, Jul und Fritzi kennen. Und dann ziehen auch noch Laurin und Vincent mit ihrer Mutter ein. 

Bemängeln könnte man an dieser Reihe die doch sehr heterogene Darstellung der Kinder und ihrer Familie – mit Ausnahme von Laurin und Vincents Mutter, die geschieden ist. Die Kinder sind alle weiss, alle deutsch und bis auf Jul und Fritzi, die kurze Haare haben, verbleibt das Buch in einer stereotypischen Darstellung und lässt Diversität vermissen … – allerdings ist es auch schon etwas älter. 

Von der fehlenden Diversität und Repräsentation abgesehen, entsteht zwischen den Kindern im Laufe des Buches eine wunderbare Freundschaft, die voller Abenteuerlust und kreativen Ideen steckt. 

Als dann auch noch Oma und Opa Kleefeld einziehen – die natürlich nicht ihre richtigen Grosseltern sind, aber bereitwillig diese Rolle übernehmen, wird es erst so richtig schön! Wären nur nicht die Voisins, die mitten im Reihenhaus wohnen und scheinbar etwas zu verbergen haben? Jedenfalls sind sie streng darauf bedacht, dass keiner der Kinder über ihr Grundstück läuft. 

 

Katrin Engelkin hat diesem Buch wundervolle Illustrationen beigesteuert – was wiederum an Bullerbü erinnert, da sie auch die illustrierten Bullerbü-Neuauflagen gestaltet hat. Aussagekräftige, realistische Illustrationen versehen den leicht zu lesenden Text alle paar Seiten mit einer kleinen Pause, in der die Illustration betrachtet werden kann, die zum Träumen einlädt. Der Text ist einfach gehalten, so dass auch schon junge Leser*innen schnellen Leseerfolg haben dürften, aber ohne dabei jedoch an Tiefgang und literarischer Sprachfertigkeit zu verlieren.

Schnell weggelesen sind die kurzen Kapitel, noch schneller ist das Buch zu Ende und damit auch der Sommer der Kinder, der voller Erlebnisse war: Feste, Fahrrad-Strecken durch den Matsch, ein Ausflug an den See, der ein wenig anders endet als gedacht und Erdbeerpflücken auf dem Feld. Es ist sehr viel heile Welt, doch darf dies nicht auch einmal sein? 

 

Definitiv ein Lesespass für Jung und Alt, der es schafft, das Bullerbü-Gefühl in die aktuelle Zeit zu holen und ein sommerliches Gefühl hinterlässt, das nach mehr schreit!