Benno Pludra gilt als einer der erfolgreichsten Jugendbuchautoren der DDR. In seinem Werk "Insel der Schwäne" erzählt er von Stefan, der vom Land in eine DDR-Neubausiedlung zieht.
November 2025
Von Hannah Sophie Schmitt
Insel der Schwäne
Benno Pludra
Mit Illustrationen von Gerhard Lahr
Der Kinderbuchverlag 2007
Erstmals erschienen in Der Kinderbuch Verlag Berlin 1982
Ab 12
Stefan und seine Schwester Sabine wohnen bei seiner Oma auf dem Land. Dort gibt es einen Fluss, in dessen Mitte eine Insel liegt. Stefans bester Freund Tasso und er haben ein Floss gebaut und können es kaum erwarten, endlich damit zur Insel zu fahren. Doch so weit wird es nicht mehr kommen. Der Tag des Umzugs ist gekommen und Stefans und seine Familie ziehen in ein Hochhaus in der Stadt.Es hat so viele beleuchtete Fenster, dass Sabine findet, dass es aussieht wie ein Adventskalender.
In dem Haus ist einiges anders als auf dem Land: In dem grossen Wohnhaus wohnen viele andere Kinder. Die Schule ist anders und der Spielplatz, der gebaut werden soll, gefällt den Kindern nicht – alles soll aus Beton sein und ohne Grünzeug. Also beschliessen die Kinder ihren eigenen Spielplatz zu bauen.
Benno Pludras "Insel der Schwäne" ist ein eindrucksvollen Beispiel für das Wohnen in der DDR. Es eröffnet einen starken Kontrast zwischen dem ländlichen Leben und dem in der Stadt vorgefundenen, betonlastigen Wohnen in einem Plattenbau.
Das Buch eignet sich in hervorragenderweise, um über die DDR und natürlich besonders die typische Wohnsituation in den heute für die DDR so charakteristischen Plattensiedlungen zu sprechen, aber auch, um sich die Kindheit und die Erziehung anzuschauen. Stefans Vater, der Bauarbeiter ist, hat stets Rückenschmerzen und muss sich ausruhen, die Mutter, ebenfalls arbeitstätig, muss sich zusätzlich noch um den Haushalt kümmern – damit wird die typische Rollenverteilung und die Doppelbelastung der Frau in der DDR gut wiedergespiegelt.
Das Buch zeigt aber auch, das Kindheitsbild der DDR, bei dem die Kinder viel Verantwortung trugen und wie die Baupolitik nicht auf die Bedürfnisse der Kinder eingeht, indem sie einen Spielplatz aus Beton baut.
Ein eindrucksvolles, historisches Werk, das sich hervorragend eignet, um einen Einblick in das vergangene Deutschland zu erhalten und sich damit – auch kritisch – auseinanderzusetzen.