Verlagsassistenz statt Musikkarriere

Wahl erzählt in ihrem neusten Werk von der Verlergerassistentin Charlotte, die sich den fast kurios anmutenden Wünschen ihres Verlegers beugen muss und unter dem Machtmissbrauch zerbricht.

Oktober 2025

Von Hannah Sophie Schmitt

Die Assistentin 

Caroline Wahl 

Rowohlt Verlag 2025

Anstelle der erträumten Karriere als Musikerin nimmt Charlotte den Job als Assistentin des Verlegers Ugo Maise in einem renommierten Verlag in München an. Dass der Verleger seine Assistentinnen häufiger wechselt als seine Unterhosen, ist Charlotte bekannt und treibt sie zum Ehrgeiz an. Sie will unbedingt von der administrativen Assistenz zur ersten Assistentin aufsteigen und sich bei dem Verleger beweisen. 

Dafür arbeitet sie sich tief in das MM – das Manual Maise – ein, in dem sämtliche Wünsche des Verlegers notiert sind. Die Nudelsuppe soll ohne Nudeln serviert werden, nur Süssigkeiten auf dem Hause Storck sollen zum Kaffe serviert werden und weitere Kuriositäten, die die lesende Person den Kopf schütteln lässt. 

 

Die Ansprüche des Verlegers werden jedoch immer kurioser und der Verleger selbst neigt zu Wutausbrüchen und zu lobenden Nachrichten, von denen Charlotte zunehmend abhängig wird. Der Machtmissbrauch spiegelt sich auf allen Ebenen wieder: Von Nachrichten rund um die Uhr an jedem Wochentag bis hin zur verpflichtenden Arbeit bei ihm daheim – es gibt kaum etwas, was Hugo Maise auslässt. 

Und Charlotte? Wenn sie nicht mehr weiterweiss, ruft sie ihre Eltern an, die ihr versichern, dass sie einen guten Job ausübt und dass sich schon alles richten wird. 

 

Gefangen in dem Zirkel aus fehlender und erhaltender Bestätigung, Ehrgeiz und der mangelnden Beratung der Eltern, auf die sie dennoch zurückgreift, gerät Charlotte in eine toxische Beziehung, aus der sie sich fast nicht mehr befreien kann. 

 

 

 

Caroline Wahl greift mit "Die Assistentin" ein hochaktuelles Thema auf, verwebt dieses mit Fingerspitzengefühl und lässt das toxische Beziehungsgefüge greifbar werden. In mehr oder weniger kurzen Kapitel greift sie episodenhaft die Geschehnisse aus Charlottes Alltag auf, ohne dabei viel von Charlottes sonstigem Leben zu erzählen (weil es schlichtweg nicht existiert). 

Kommentiert wird das Geschehen von einer Erzählstimme, die Einwürfe einfügt wie "Wo bleibt die Liebesgeschichte?", aber auch in der Erzählung vorgreift oder rafft. 

 

Diese durchaus gute Idee, findet an manchen Stellen seinen Platz, wirkt aber im Leseverlauf schnell anstrengend – die vielen Sprünge und Raffungen und Auslassungen lassen die lesende Person konfus werden und damit verfehlt die Erzählstimme ihre Funktion. An einigen Stellen muss man fairerweise sagen, dass die Erzählstimme hervorragend eingesetzt ist und das Geschehen hervorragend kommentiert – leider überwiegt der Teil, in der sie ihre Funktion verfehlt.

 

Schade, denn die Geschichte wäre thematisch und stilistisch wirklich gut, würde die Erzählstimme nur nicht den Lesefluss stören. Wer sich davon jedoch nicht abschrecken lässt, erhält eine sowohl aufweckende Geschichte über einen skurrilen Verleger und dessen Machtmissbrauch gegenüber Charlotte.